Salzburger Numismatische Nachrichten

(Salzburger) Münzgeschichte aus Handel, Museen und Wissenschaft - von Münzhandel Peter Macho

Ban / Mirnik: Der Friesacherfund von Cakovec

Mai 29th, 2014 by Peter Macho

BAN / MIRNIK: FRIESACHERFUNDDie folgende kurze Abhandlung ( Quelle: Croatian Scientific Bibliographie ) bietet einen wichtigen Auszug aus “Herbert Ban, Ivan Mirnik; Der Friesacherfund von Cakovec; Glaux. Collana di Studi e Ricerche di Numismatica, 18, Edizioni ennerre S.r.l., Mailand 2010.” 235 Seiten, davon 46 Tafeln mit den Abbildungen von 126 + 817 Pfennigen und Halbpfennigen, 61 Vergrößerungen, zahlreiche Textabbildungen.  Ein wichtiges Werk zur Friesacher Münzgeschichte ! Sehen Sie hier:

Dem ursprünglichen Plan nach sollte der Bericht über die Fundumstände von unserem Kollegen und Freund, dem Archäologen Josip Vidovi? (*Hodošan, 23. Februar 1943 +?akovec, 21. November 2005), der als erster den Münzenfund gut sortiert und mit viel Mühe und ohne entsprechende Fachliteratur bearbeitet hat, verfasst werden. Es wurde uns jedoch wegen seiner langen Krankheit und seines allzu frühen Ablebens, das uns tief betrübt hat, nicht gegönnt, von ihm den Text zu erhalten. Josip Vidovi? hat am 31. Jänner, bzw. 28 März 1994 den ganzen Münzfund dem Archäologischen Museum in Zagreb zur weiteren wissenschaftlichen Bearbeitung und Auswertung übergeben. Nach etlichen Jahren wurde der fotografierte und verwertete Fund am 7. November 2008 dem Museum von Me?imurje in ?akovec zurückgebracht. Nach dem Bericht über die Fundumstände (TOMI?I? 1985) des auf dieser Stelle bearbeiteten Münzfundes (ŠIMEK 1990: 20, Nr. 8 ; 1997: 246, Nr. 953) entnimmt man, dass am 21. März 1984 der Museumsdirektor des Museums von Me?imurje in ?akovec über einen grösseren Münzfund benachrichtigt wurde. Zu dieser Zeit wurden im südlichen, Buzovec genannten Stadtteil (?akovec-Jug), Grabungen für die Kanalisation der neugebauten Reihenhäuser („Stambeni nizovi” ; genaue Position 46º 18′/ 16º 26′) durchgeführt, wobei der Arbeiter Ivan Lepoglavec, beschäftigt beim Bauunternehmen „Me?imurje”, in der Tiefe von 30 cm eine Menge Silbermünzen gefunden hatte (HA?EK 1984 ; Abb. 3). Zwischen dem 21. und 23. März 1984 hat ein archäologisches Team (Željko Tomi?i?, Josip Vidovi?, Vladimir Kalšan, Branimir Šimek) des Museums von Me?imurje das Fundgebiet untersucht und dokumentiert (Abb. 1-2), wobei noch weitere Münzen und Fragmente eines Tongefässes gefunden wurden. Im Ganzen kamen 846 Exemplare in die Mittelalterliche Sammlung der Archäologischen Abteilung des Museums. Ueber die wahre Zahl der gefundenen Münzen kann man nur spekulieren, jedoch scheint es, dass nur wenige Stücke auf den numismatischen Markt gebracht wurden. Weitere Exemplare könnten sich noch in Privathänden befinden - genau wie im Fall des ähnlichen Münzfundes von Šagudovec bei Marija Bistrica von 1972 (MIRNIK 1981: 103, 442), der jedoch zur Gänze zerstreut worden ist. Anscheinend kamen keine Friesacher Pfennige aus diesem Fund auf den Markt. Alle Münzen wurden bis zum 15 Juli 1984 von Branko Šimek konserviert. Bald danach wurde auch ein kurzer Bericht über die Fundumstände und den Inhalt des Hortfundes veröffentlicht (TOMI?I? 1985). Wegen der geographischen Lage im Nahbereich des Grenzlandes (Kernland des Friesachers) können wir seinen Inhalt als einen Heimatfund betrachten. Diese Tatsache wird durch das extrem starke Auftreten von Hälblingen noch unterstrichen. Auch weiter östlich nahmen die wegen ihrer inneren Güte beliebten Friesacher als Oberwährung (Geld von hervorragender Qualität) nach ihrem Gewicht (Stückzahl) die Hauptrolle bis zur Zeit des Mongolensturmes 1240/41 ein. Im ungarischen Währungsraum hätte man sich bei Bedarf an kleineren Nominalen (Stückelungen) daher praktisch durch Teilung der Pfennige behelfen können. Ein Faktum, wie es im Kerngebiet dieser Währung vor Ausgabe der Hälblinge praktiziert wurde. Dies zeigt uns der Fund von Dürnstein (vergraben um 1168), der 36 halbierte Pfennige beinhaltete. Die Ausgabe von Hälblingen setzte nach unserem Wissen erst ab ca. 1170 unter Erzbischof Adalbert II. ein. Vielleicht war es auch der Gurker Bischof Heinrich I., der ja als Generalvikar in Abwesenheit des Erzbischofs die Amtsgeschäfte im Erzbistum führte und zu dieser Zeit wahrscheinlich in Friesach prägen ließ. Grundsätzlich ist, wie aus dem Fundkontext dieser Münzsorte abzuleiten ist, das Gros des Fundes aus den Hauptmünzstätten des Friesachers zu erwarten. Außer einer Beimengung von Grenzlandbeischlägen und - Nachprägungen käme noch eine Beteiligung der kroat.-ungar. Münzstätte Zagreb in Betracht, die wie einige in der Nähe gelegene, bereits zu dieser Zeit aktive Grenzlandmünzstätten wahrscheinlich auch Münzen nach Friesacher Art für den Handel mit Ungarn nachahmte. Das vom Erzbischof erwirkte Reichsgerichtsurteil von 1195, wodurch neben anderen Prägeherren vor allem die Gurker Bischöfe gezwungen wurden, ihre Prägeaktivitäten aus dem Salzburger Sprengel in das Grenzland zu verlegen, kann nach dem chronologischen Ablauf als ein wesentlicher Anstoß für den allgemeinen Prägebeginn in dieser Gegend gedeutet werden. Unter dem Babenberger Leopold V., ab 1192 auch dem Herzog von Steiermark, dürften die Steirischen Herzöge, die ja bereits die Münzstätten Enns und Fischau zuletzt betrieben haben, im neu entwickelten unbestrittenen Zentrum des Landes an der Mur, Graz, nach Ausweis der Münzen seit ca. 1195 herzogliche Pfennige nach Friesacher Schlag zu prägen begonnen haben. Die durch den Handel hauptsächlich vorgegebene Richtung des Geldverkehrs wie auch die Altersstruktur seiner Gepräge sprechen gegen einen Rückfluß von barbarisch-ungarischen Nachprägungen in unser Fundgebiet und sind daher nach der Zirkulationstendenz im Funde kaum zu erwarten. Der überwiegende Fundanteil (fast 75%) entstammt aus den letzten 12 Jahren vor der Verbergung. Dieser Umstand weist auf keine länger währende Thesaurierung sondern spricht für eine kurzfristige Hortung des Schatzes. Der Fundort ?akovec (später im Besitz der gefürsteten Grafen von Cilli/Celje) liegt an einer Haupthandelsstraße von Pettau/Ptuj (wo auch Juden nachzuweisen sind, die vor allem mit Geld- und Wechselgeschäften in Verbindung gebracht werden können) nach Ungarn. Im Zentrum zweier wichtiger natürlicher Handelswege gelegen, den Wasserstraßen Drau und Mur, umschließt deren Oberlauf das Kernland der beiden Kärntner Hauptmünzstätten Friesach und St. Veit. Diese Tatsache im Aspekt allgemeiner Forschungskenntnis berechtigt zur Annahme, dass das Abfließen der Währung in den Fundraum keinen längeren Zeitraum in Anspruch nahm. Um keinen Fehler zu begehen, berücksichtigen wir zur jüngsten Emission (LuF 13) eine äußerste Zeitspanne von 2 1/2 Jahren. Daraus folgt, dass der Fund im Zeitrahmen von 1212/13, spätestens jedoch 1214/15, dem Versteck anvertraut wurde. Die obligate Suche nach einem Verbergungsanlaß, etwa eine kriegerische Auseinandersetzung, bleibt noch zu recherchieren. Die zentrale Bedeutung von ?akovec als Handelsumschlagplatz für den Warenverkehr (begründet durch die geographische Lage zwischen Kärnten mit angrenzenden Gebieten und dem Karpatenbecken) darf gemessen an ungarischen Fundvorkommen für die verschiedenen Handelswege in dieses Land wie folgt gelten: Ein Teil zweigte nach Norden ab, mündete in den Handelsweg von Graz und führte dann östlich über den Balaton nach Gran/Buda. Der wohl wichtigste führte direkt in östlicher Richtung über das Kapostal in das Zentrum des Karpatenbeckens. Ein weiterer dürfte der Drau abwärts mit dem Endziel Banat gefolgt sein. Dass der Münztyp zu jener Zeit überall dort, wo eine Währung ähnlicher Qualität nicht existierte, sehr gefragt war, zeigt uns zudem der Fund von Gajevo Selo in Bosnien (vergraben ebenfalls um 1215). Bestätigt durch zahlreiche urkundliche Belege und Münzfunde wissen wir, dass der Friesacher Pfennig im gesamten Karpatenbecken in den ersten vier Jahrzehnten des 13. Jhdts. die Haupthandelsmünze schlechthin war. Zur Veranschaulichung der Fundchronologie folgt hier eine Aufstellung von Funden aus den ersten beiden Jahrzehnten des 13. Jhdts. in einer Übersicht, die die zwanglose Einreihung unseres Fundes demonstriert. Angegeben sind die Stückzahlen der Hauptausgaben inkl. Beischläge zur erzbischöflichen Prägestätte Friesach und der herzoglichen Ausgaben aus St. Veit. Im Rahmen dieser Beschreibung wurde besonderes Augenmerk auf erkennbare Stempelverbindungen, vor allem bei den Beischlägen, gelegt, um wichtige Zusammenhänge für die weitere Forschung zu fixieren. Zu umfangreichen eigenen Untersuchungen in diversen Beständen dienten für die Bearbeitung unpublizierte grundlegende stempelanalytische Forschungen Egon Baumgartners (gestorben 1951), die überwiegend in seinen beiden letzten Lebensjahren entstanden sind. Insbesondere die Studie zur Emissionsbreite der Friesacher Ausgabe L 8, bei der er den entscheidenden Nachweis zur Scheidung der Originalausgaben von den Beischlägen, die zum größeren Teil aus erzbischöflichen Prägestätten aus dem Grenzland stammen, erbringen konnte, waren von besonderer Hilfe. Als entscheidender Beweis diente ihm der Vergleich mit den Geprägen aus dem Heimatfund von Noreia. Der eigene Charakter des Stempelschnittes ganzer Gruppen von Grenzlandbeischlägen setzt sich auch bei den Folgeemissionen fort. Dies lässt auf eine kontinuierliche Ausmünzung in diesen Prägestätten schließen, die allerdings noch nicht für alle Prägegruppen entgültig zuzuordnen ist. Er kam zu dem Schluss, dass die bekannten Grenzlandmünzstätten Erzbischof Eberhards, Pettau, Rann und Reichenburg, bereits zu Beginn seiner Regierung installiert worden sein dürften und je nach Bedarf beispielsweise für den Handel mit Ungarn ein Teil der Ausgabe außerhalb Friesachs gemünzt wurde. Das überraschend kumulierte Auftreten von seltenen Hälblingsprägungen im Fund von ?akovec ist Anstoß für eine Einführung zur Friesacher Hälblingsgeschichte, da eine Aufarbeitung dieses Bereiches bislang noch aussteht. Das Corpus der österreichischen Mittelaltermünzkunde (CNAI) von Bernhard Koch läßt Grundsätzliches zur Hälblingsprägung missen und kann darüber hinaus durch überraschende Zuweisungsänderungen zur durchwegs bewährten, in der Zwischenzeit aber doch in einigen Punkten überarbeitungsbedürftigen Luschin`schen Reihung verwirren. Begründet wurde dieser Effekt vermutlich durch die Bildwahl und Seltenheit einiger früher - im Ausdruck fremd bis „ungarisch” wirkender - Hälblinge, deren Bezug zur entsprechenden Hauptausgabe offensichtlich nicht leicht zu erkennen war. Hier soll lediglich eine kurze Beleuchtung zur Einstiegsphase geboten werden. Im engeren Friesacher Umlaufgebiet traten im Dürnsteiner Funde, der um 1164/68 in die Erde kam, vermehrt halbierte Pfennige auf. Unter seinen 302 Prägungen kamen 36 halbierte Pfennige zutage. Der Anteil an Halbstücken am Friesacher Part beträgt 4, 7 % (7 von insgesamt 149 heimischen Münzen). Aus dem Inhalt des Fundes ist zu erkennen, dass in Friesach die Prägung von Hälblingen in dieser Zeit nicht gepflogen wurde, obwohl der Bedarf an kleineren Nominalen im Geldverkehr gegeben war. Begonnen wurde in Friesach mit dem Hälbling zu LuF 5, wie uns die beiden Exemplare aus den Beständen der Museen von Budapest und Ljubljana zeigen (CNAI Ca6aa, Abbildungen nachstehend) und zwar unter Erzbischof Adalbert II. ab ca. 1170 bzw. unter seinem Generalvikar dem Gurker Bischof Heinrich I., der ja in Abwesenheit des Erzbischofs (als Folge des Investiturstreites) die Amtsgeschäfte führte und wahrscheinlich auch in Friesach prägen ließ. Die anschließende Emission zeigt folgende Auffälligkeit: Zur Hälblingsprägung wurde in einigen Fällen das Untereisen des Pfennigs verwendet und mit dem Obereisen der entsprechenden Hälblingsemission gekoppelt. Durch diese Übung konnte die Anfertigung von Untereisen für die Hälblingsherstellung teilweise eingespart werden. Da der Prägeaufwand für beide Nominale ähnlich war, hat der dem Münzherren für die Hälblingsprägung zustehende Schlagschatz nicht den halben Gewinn erbringen können. Daher dürfte im Sinne einer wirtschaftlichen Gebarung jede Kostenreduktion durchaus erstrebenswert gewesen sein. Während der Eriacensiszeit, in der die erzbischöfliche Position wieder gefestigt wurde, könnte diese Übung darüber hinaus auch noch einen weiteren Sinn gehabt haben: Vorausgeschickt werden muss, dass der erste erzbischöfliche Hälblingstyp LuF 12a (CNAI Cu6) relativ geringe signifikante Unterscheidungsmöglichkeiten für eine Abgrenzung zur Originalausgabe zu bieten hat, wie dies beim entsprechenden Pfennigtyp schon aufgrund des größeren Durchmessers und der Umschrift leichter möglich erschien. Dies wird uns durch die Palette der Eriacensisbeischläge für die Pfennige demonstriert. Zu bedenken muss uns folgende Tatsache geben: Meines Wissens existieren noch keine Untereisenkombinationen der Gepräge LuF 12b (CNAI Cu7 Var.) mit den häufigsten Eriacensis-Typen BE 1 und 2 aber auch 3 und 6, deren Friesacher Provenienz wohl kaum anzuzweifeln ist. Folgende Untereisen von Eriacensis-Beischlägen wurden u. a. nachweislich verwendet: BE 8, 8c, 9, 25, (Abbildungen siehe CNAI Tf. 28 u. 29), 30 (=CNAI Cu7) und 60 Var. Von dieser Tatsache läßt sich nachstehende Möglichkeit einer Hypothese ableiten: Sowohl für die erzbischöflichen Prägungen aus Nebenmünzstätten als auch für jene vorwiegend geistlicher Münzherren, die Friesacher nachahmten, wurden absichtlich die Unterstempel von den Pfennigen verwendet, um eine Differenzierung zu den erzbischöflichen Originalen aus der Münzstätte Friesach zu ermöglichen und einen Hinweis auf den Prägeherren bzw. dessen jeweilige Münzstätte zu geben. Dieser Effekt war spätestens ab dem von Erzbischof Adalbert 1195 erwirkten Reichsgerichtsurteil, in dem ausdrücklich die Nachahmung seiner Münzen im erzbischöflichen Sprengel verboten wurde, zwingende Voraussetzung. Der Zweck des Urteils war es, die zuvor vom Kaiser geduldete Münzung der Gurker Bischöfe, welche andauerte, in den Kerngebieten des Erzbistums in Kärnten zu unterbinden. Dies bewirkte bekanntlich das Abwandern der Gurker Prägeaktivitäten in ihre Besitzungen in das Grenzgebiet. Das Reichsgerichtsurteil dürfte darüber hinaus Anstoß dafür gewesen sein, dass in der Folge in zahlreichen Münzstätten des Grenzlandes eine rege Prägetätigkeit für den Handel mit Ungarn einsetzte. Die fallweise Verwendung von verbrauchten Pfennig-Untereisen darf uns nicht weiter stören. Diese Eisen bieten sich schon aus Kostengründen zur Nachnutzung für die Hälblingsprägung an. Obwohl die Vorderseiten dieser Obole aufgrund der Durchmesser zumeist nur fragmentarisch zu erkennen sind und daher leider nur in seltenen Fällen Schriftreste zeigen, sind sie uns eine wichtige Stütze für das Wissen um die Pfennigzugehörigkeit und damit auch der entsprechenden Gruppenprovenienz. Damals war das Erkennen des Münzherren (und dessen Prägestätte) auf diesen nur mit geringen Darstellungsänderungen versehenen Münzen im Zahlungsverkehr kaum von Bedeutung (in der Heimat wohl allgemein bekannt). Auch aus diesem Grunde kam den monotonen, hauptsächlich mit der Gattungsbezeichnung versehenen Umschriften dieser Geldstücke keine Relevanz zu. Für die leseunkundige Mehrheit der Bevölkerung waren Schriften ohnehin nicht von Belang. Das Phänomen mit den Pfennigunterstempeln läßt sich anhand der nachstehenden Abbildungen gut demonstrieren. Einige der von Baumgartner mit Vorbehalt der Münzstätte Friesach zugeteilten Eriacensisgruppen stammen sicher nicht aus der Hauptmünzstätte. Noch ist eine Münzstättenzuordnung dieser Prägungen nicht definitiv möglich. Die Abbildungen der beiden LuF 12b-Typen lassen erkennen, dass beide mit demselben Obereisen geprägt wurden. Eine Zuweisung an ein und dieselbe Prägestätte hat daher seine Berechtigung. Wir müssen BE 25 somit vorerst nach Villach legen. Die Zuordnung dieser Gepräge hat nur solange Bestand, bis ein Unterscheidungsmerkmal herausgefiltert werden kann, welches zuläßt, dass die typologisch große Gruppe an Villacher Eriacensis-Nachprägungen doch in kleinere Gruppen, z. B. nach der Form der Rose, zu differenzieren ist, und auf dieser Basis die Zuweisung an eine andere meranische Prägestätte wie Stein, W.graz. und Gutenwert oder aber auch an eine Görzer Münzstätte wie beispielsweise Lienz möglich wird. Ein weiterer Hinweis mit gleicher Symbolik anderer meranischer Provenienz kam zuletzt von einer Eriacensis-Nachprägung mit der Umschrift BERTO(LDVS - DV)X? (CNAI p. 233 Cu1A, Abb Tf. 70, E 69), dessen Ursprung durch Berthold IV. (1188 - 1204) sowohl von Koch als auch M. Alram in Stein oder W.graz vermutet wurde. Dieser, vor allem in der Vorderseitenabbildung fein geschnittene Stempel hat übrigens mit dem einfach gezeichneten Ausläufer-Beischlag BE 69 zu den meranischen Eriacensis-Nachprägungen nichts gemein, wie Koch zitiert. Die Ausgabe fällt in den Zeitraum von frühestens 1195 bis 1204, nach dem Oberstempel höchstwahrscheinlich um bzw. nach 1200. Gutenwert darf als Provenienz zwar mit einem Fragezeichen, aber dennoch nicht endgültig ausgeschlossen werden, weil nicht sicher ist, wann die Verleihung der Unterkrainer Besitzungen von den Freisinger Bischöfen an die A.-Meranier erfolgte. Vor 1208 besaß der Meranier Heinrich IV. jedenfalls die freisingische Hofmark schon als Lehen. Soweit erkennbar ist der Unterstempel (im dem einem Pallium nachempfundenen Knopfleistensaum des Gewandes) auffällig fein geperlt, aber auch in den Abbildungsdetails der Stielrosette und der Kopfbedeckung ungewöhnlich, wobei der Kopfteil den „Villacher” Eriacensis-Nachprägungen BE 65-67 eng verwandt erscheint. Eine Zuteilung der „Villacher” Eriacensis-Gruppe BE 65-67 mit leicht Y-förmigem Pallium an Berthold ist schon deshalb nicht möglich, weil der geperlte Knopfleistenbereich des Mantels am Berthold-Pfennig nicht in der Mitte seines Körpers verläuft, sondern parallel in der rechten Körperhälfte. Voraussetzung dafür war, dass bei diesen Beischlägen nicht darauf verzichtet wurde, die Abbildung eines Geistlichen - wie im Gesamtbereich des Friesachers manchmal üblich - in Verbindung mit dem bisher der Münzstätte Villach zugeschriebenen üblichen Schriftbild zu belassen. Ein weiteres markantes Beispiel aus der Zeit um 1190 ist der vermutlich aus W.graz stammende Hälbling BE 53(55)/LuF 12 (NV 14 und 18, Pog. 50 ; CNAI Cu9 = Abb. Cu8), Gew.: 0, 50g. Abbildungen gemeinsam mit entsprechenden Pfennigen (BE 55 = CNAI Cu1C, Gew.: 1, 24 g und NLuF 184/BE 53, 55 ; CNAI - , Gew.: 0, 89g). Alle drei Münzen befinden sich in Privatsammlungen. In Anbetracht des Variantenspektrums der Hälblinge am Beispiel LuF 319 (CNAI Cu14) des Fundes von ?akovec lässt sich ableiten, dass ein Teil davon mit Sicherheit Beischläge aus erzbischöflichen Nebenmünzstätten aus dem Grenzland (beispielsweise aus Pettau, Rann oder Reichenburg) sind. Andere - erzbischöfliche Münzen imitierende - vorwiegend geistliche Münzherren können auch beteiligt sein. Folgende Punkte sprechen dafür: - Zur Ausgabe LuF 13 konnte ich neben der vom Emissionsmotiv stark abweichenden Bildvariation im Revers (CNAI Cu15 = Szigetcsep Nr. 187 und 1 Exemplar im Fund von O) auch eine „gewöhnliche” LuF 13-Rückseite entdecken, die auch der Münzstätte Pettau oder einer anderen erzbischöflichen Grenzmünzstätte zuzuschreiben ist. - Existenz eigener Hälblingsausgaben aus dem Grenzland. - Sowie die oben dargelegte Provenienzthese zu den LuF 12b-Typen. - Und schlussendlich die unveröffentlichten Studien Egon Baumgartners aus seinen beiden letzten Lebensjahren (+ 1951) zur Ausgabe LuF 8, bei denen er zu dem Schluss kam, dass die bekannten Grenzlandmünzstätten Erzbischof Eberhards, Pettau, Rann und Reichenburg, bereits zu Beginn seiner Regierung installiert worden sein dürften und je nach Bedarf ein Teil der Ausgabe außerhalb Friesachs gemünzt wurde. Vorstehende Abbildungsbeispiele sollen dieser kurzen Einführung lediglich als Beispiele zur Illustration dienen. Eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Typen würde den Rahmen dieses Kurzbeitrages sprengen. Die Inhalte der drei Funde liegen nach den Schlussmünzen vielleicht knapp vier Jahre auseinander und bieten sich daher für einen Vergleich gut an. Wie wir daraus ersehen, dürfte der Hälblingsanteil an der Ausmünzung in den Münzstätten Friesach und St. Veit zu dieser Zeit durchschnittlich ca. 1, 25 - 1, 70 % betragen haben, wenn wir den außergewöhnlich hohen Anteil an LuF 13-Hälblingen (=LuF 319) des Fundes von ?akovec (33, 9 %) unberücksichtigt lassen. Dieser Hälbling trat bisher selten in Funden auf. Im Fund von Karpfen (erstmals erwähnt) beispielsweise mit nur einem Exemplar vertreten (Fundbericht Petrikovich Nr. 114), konnte er vor dem Fund von ?akovec bereits vereinzelt in Sammlungen beobachtet werden. Die gesicherte Bestimmung als Hälbling zur Ausgabe LuF 13 ergab sich erst aus dem Fund v. Szigetcsep, wo bereits vier Exemplare zum Vorschein kamen. Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass ein ungarischer Eriacensisfund aus dem Jahre 1983 (pauschal skizziert von A. Poga?nik in NV Jg. 14, 1986 S. 165f), bei einem LuF 6-Anteil von ca. 2000 Stück, mindestens 50 Exemplare LuF 12a aber auch einige LuF 12b (vermutlich dürften es fünf gewesen sein) beinhaltete, die in der Folgezeit im Münzhandel auftauchten. Aus diesem Funde stammt auch der oben abgebildete höchst seltene W.grazer Hälbling BE 53(55)/LuF 12 (CNAI Cu9 = Abb. Cu8) sowie der danach beschriebene Obol zum LuF 186-Beischlag. Wie uns dieser Fund und auch der Hortfund von ?akovec in besonderem Maße bestätigen, kann der Hälblingsanteil an der Fundmasse prozentuell deutlich höher ausfallen. Allgemein ist aber festzustellen, dass der Anteil dieser Kleinnominale im Schnitt geringer ist als die drei Vergleichsfunde ergeben. Dazu muß noch berücksichtigt werden, dass jene (späteren) Hälblingstypen, die sich nicht wesentlich vom Pfennigmotiv unterscheiden, großteils nicht erkannt und daher in den Publikationen nicht richtig als solche beschrieben wurden. Grund dafür ist die Auswirkung der verbotenen permanenten Seigerung (= das Aussuchen der schwereren Stücke mittels einer Waage), sowie der hohe Anteil an beschnittenen und mit Beischlägen sowie Nachprägungen von geringem Durchmesser und Gewicht durchsetzte Münzmaterial von Auslandsfunden. Beschreibungen geben daher vielfach ein verzerrtes Bild. Eine Klärung ist meist nur bei abgebildetem Münzmaterial oder durch Einschau in die Fundinventare möglich. Leider stellt die Abbildung sowohl von echten als auch obol-verdächtigen Exemplaren meist nur die Ausnahme dar. Zur leichteren Identifizierung von Hälblingen erfolgt eine Auflistung der wesentlichen Unterscheidungsmerkmale, die für die Friesacher Hälblinge allgemein, speziell für die Münzstätte St. Veit ab dem Hälbling zu LuF 186 und für Friesach ab LuF 20 anwendbar ist: - Reduziertes, vereinfachtes Bildmotiv - Im Gegensatz zu den entsprechenden Pfennigen weist der Oberstempel zumeist nur eine Bildeinfassung auf: 1 x P (äußerst selten zweifache Umrandung: Diese Ausnahme ist als Abgrenzungsmerkmal zu den Hauptmünzstätten zu werten!). Im Bereich der Friesacher Währung erfolgte beim Pfennignominale gegen 1240 manchmal ein Übergang auf einfache Einfassung - daher Vorsicht bei jüngeren und auch bei jenen Exemplaren, die der obigen Begründung zum Münzmaterial von Auslandsfunden entspricht. Einige Beispiele für einfachen Bildrand an Pfennigen aus dieser Zeit: LuF 31, 133a, 134, 139, Pöls 10 = CNAI Ch25 und weitere die sowohl einfache als auch doppelte Bildumrahmung zeigen: LuF 133b, 135, 165, 214 (jüngere Typen und bzw. oder Grenzlandausgaben!), 215. Die einfache Bildeinfassung kam um 1240/45 in den Prägestätten des späteren Territoriums Krain und in W.graz eine Zeit- lang in Mode. - Schriftlos (außer bei Koppelung des Hälblingsobereisens mit Pfennigunterstempel!) - Gewicht: unter 0.4 - maximal 0, 7 g - Durchmesser: ca. 12 - 14 mm. Stimmen vorstehende Punkte bei Geldstücken von geringem Gewicht und Durchmesser nicht überein, so liegen uns nicht echte Hälblinge, sondern meist bis auf das Hälblingsgewicht reduzierte, beschnittene Pfennige vor.

ENGLISH:  On March 21, 1984 a treasure trove happened in ?akovec (Me?imurje, NW Croatia), as trenches for sewage for new row housing were excavated in the south-eastern part of the town called Buzovec. The coin hoard was undug at a depth of 30 cm. A total of 846 silver coins reached the Archaeological Department of the Me?imurje Museum ; one does not know how many were dispersed. Various chapters deal with: the find conditions ; the history of ?akovec, several documents from the 13th c. mentioning money ; coin hoards and individual finds of Frisatic currency from the territory of the former Triune Kingdom of Croatia, Slavonia and Dalmatia, chiefly from the Zagreb Archaeological Museum Numismatic Collection. Further on, there is a chapter on the ?akovec hoard itself, with a contribution to the study of Frisatic half-pfennigs. In addition there is an up-to-date bibliography of numismatic articles dealing with Frisatic currency in this part of Europe (Austria, Croatia, Slovenia, Hungary), a list of abbreviations, abbreviations in the catalogue part. This book also contains two catalogues, that of the ?akovec hoard (817 specimens of pfennigs and half-pfennigs), and that of Frisatic money from the Triune Kingdom of Croatia, Slavonia and Dalmatia, from the Zagreb Archaeological Museum Numismatic Collection. This hoard contained silver coins dating from c. 1181 to c. 1212, Frisatic pfennigs and half-pfennigs, as well as their imitations (Beischläge), some of them very rare, and in unusual combinations of the obverse and reverse dies, struck by various ecclesiastical and secular lords of the 12th and 13th centuries, in various mints they owned in Styria, Carniola, Carinthia as well as Aquileia: SECULAR LORDS Styria Berthold III. von Andechs-Meranien (1158-1188) (mint: Windischgraz/ Slovenjgradec) ; Berthold IV. von Andechs-Meranien (1188-1204) (mint: Windischgraz/ Slovenjgradec) ; Carniola (mints: Stein/ Kamnik, Heiligenkreuz?) ; Carinthia Ulrich II. von Spanheim (1181-1202) (mint: St.Veit/ Št. Vid) ; Bernhard von Spanheim (1202-1256) (mint: St.Veit/ St. Vid) ; Carniola Ulrich II. (mint: Lower Caniola) ; ECCLESIASTICAL LORDS Archbishoprics Aquileia: Gottfried [1182-1194] (mint: Aquileia) ; Salzburg - Carinthia - Archbishops of Salzburg (1170-1200) ; Adalbert II. of Bohemia (1168-1177, 1183-1200) (mint: Friesach/ Breže) ; Eberhard II. (1200-1246) (mints: Friesach/ Breže, Rann/ Brežice, Gutenwert, Gurk) ; Bishoprics Freising - Krain - Otto II. (1184-1220) (mint: Gutenwert) ; Gurk - Bishops (1183-1195) (mint Gurk/Straßburg ?). The catalogues were processed by the computer programme NUMIZ, developped by the Numismatic Cabinet of the National Museum of Slovenia in Ljubljana. For the systematization of the Frisatic coins the authors have used B. Koch’s first volume of the Corpus nummorum austriacorum, as well as earlier works by E. Baumgartner and A. Luschin von Ebengreuth. This is the first detailed study of a hoard of Frisatic silver from Croatia since Brunšmid’s publication of the Ostrovo hoard in 1900.

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