Salzburger Numismatische Nachrichten

(Salzburger) Münzgeschichte aus Handel, Museen und Wissenschaft - von Münzhandel Peter Macho

Ein unedierter Achteltalertypus des Markus Sitticus von Hohenems:

Juli 17th, 2017 by Peter Macho

Unedierter Achteltaler 1612, Markus Sitticus

Am Beginn der Regierungszeit des Erzbischofs Markus Sitticus von Hohenems (1612-1619) war man sich bei der Gestaltung der Münzen noch unsicher, ob man die Jahreszahl getrennt (16_12) links und rechts des Wappens oder in einer Zahl bei 11 Uhr in der Legende anbringen soll.

Wir finden hier folgende Münzen mit getrennter Jahreszahl, die einen eigenen Münztyp darstellen:

Taler 1612, 1613

Halbtaler 1612

Vierteltaler 1612, 1613

Ab 1614 wurden alle Münzen (mit Ausnahme der Zweier; wohl aus Platzgründen) mit der Jahreszahl bei 11 Uhr geprägt.

Nun fanden wir einen Achtelzwittertaler des Jahres 1612, der sowohl die regulär bei Achteltalern verwendete Jahreszahl bei 11 Uhr aufweist, als auch eine getrennte Jahreszahl links und rechts des Wappens. Offenbar wurde hier versehentlich ein Stempel für die  Wappenseite verwendet, der regulär gar nicht zur Ausprägung gelangt ist. Dieser Münztyp ist in der Literatur unbekannt.

Anhänger

Der Achteltaler ist in einem Anhänger (um 1900) gefasst.

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Die Salzburger Mittelalterpfennige waren “Goldmünzen” - Materialanalyse zu einigen Pfennigen:

Juli 15th, 2017 by Peter Macho

Die Firma Goldankauf Seidl in Salzburg war so freundlich, einige seltenere Salzburger Wappenpfennige mit ihrem Analysegerät zu untersuchen. Da die Analyse nur einen Kreis von 3 mm durchleuchtet, wurden jeweils 2 Stichproben genommen und der Durchschnitt ausgerechnet.

Diese Methode ist bei Mittelaltermünzen nicht sehr genau, da diese oberflächliche Oxidationen und oft Fremdmaterialauflagen haben, bietet jedoch trotzdem einen guten Annäherungswert an den Silbergehalt der untersuchten Pfennige.

Auf jeden Fall richtig analysiert sind die enthaltenen Metalle in den Pfennigen - und hier zeigt sich eine Überraschung: Nahezu jeder der Pfennige beinhaltet etwa 0,10 % Gold - das gibt pro Tonne Pfennige ein Kilo reines Gold - also wesentlich mehr als in einem heute rentablen Goldbergwerk enthalten ist!

Fast jeder der Pfennige beinaltet neben SILBER und GOLD das beigefügte KUPFER (um die gewünschte Legierung mit dem entsprechenden Feingehalt zu erreichen) und ZINN und BLEI.

Eine breiter angelegte Untersuchung des Silbergehalts der Pfennige könnte auch bei der chronologischen Einordnung helfen, da zwischen der ersten Prägung um 1365 bis zur letzten um 1461 der Silbergehalt in der Kipperzeit ständig verringert wurde.

Pilgrim, Pfennig mit Bischofskopf     ana1.jpg

Pilgrim von Puchheim, Pfennig um 1365,  50% Silbergehalt!

Pilgrim, Pfennig, Rs.leer (4)  ana2.jpg

Pilgrim, Pfennig, Rs.leer (6)  ana3.jpg

Die beiden Pilgrim? Pfennige mit leerer Rückseite weisen etwa 70 % Silber auf.

Pilgrim, Pfennig, Rs.leer (5)   ana3-kopie.jpg

Der Pilgrim Pfennig mit seinem Namen enthält etwa 75% Silber.

Johann von Reisberg, Pfennig  ana4.jpg

Der Johann Pfennig enthält 60% Silber.

Friedrich 4. oder Sigismund 1., Pfennig mit Mitra  ana21.jpg

Der Mitra Pfennig weist 70% Silber aus. Dieser Pfennig aus der Zeit 1430-1460 ist im CNA (CNA A82) mit einer Feinheit von 250/1000 beschrieben (laut einer Strichprobe im Wiener Hauptmünzamt). Die starke Abweichung dieser vor 1994 durchgeführten Probe vom hier vorliegenden Stück zeigt die Dringlichkeit einer (noch) genaueren Untersuchung der Salzburger Wappenpfennige.

Wir empfehlen Goldankauf Peter Seidl in der Schrannengasse in Salzburg,  der die grundlegenden Daten dieser Untersuchung mit seinem Röntgenfloureszenz-Analysator erhoben hat: www.gold-silber-ankauf.at

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REPATRIATION - die Rückkehr der verlorenen Salzburger Münzen nach 70 Jahren:

Juni 28th, 2017 by Peter Macho

Am 28. Juni 2017 präsentiert das Salzburg Museum 94 Salzburger Münzen, die 1946, am Ende des 2. Weltkrieges, verschwunden sind.

Zur Vorgeschichte:

Im Mai 1945 wurden Kunstwerke und 4086 Salzburger Münzen aus der museumseigenen Münzsammlung zur Sicherung gegen Bomben und Plünderung in das Salzbergwerk nach Hallein verbracht. Diese wurden dann von den amerikanischen Besatzern in Depoträume in Hallein gebracht.

1946 wurden die gesicherten Sammlungen wieder dem Salzburg Museum übergeben, von den 4086 Münzen fehlten jedoch die seltensten 2464, darunter sämtliche Goldmünzen (mit heutigem  Marktwert von ca. 4-5 Mio. Euro). In den folgenden Jahrzehnten konnten nur wenige der 2464 Münzen im internationalen Münzhandel zurückgekauft werden, es hielt sich immer das Gerücht, die Sammlung sei von amerikanischen Spezialisten in die USA verbracht worden. Neuere Diskussionen unter österreichischen Numismatikern weisen jedoch in die Richtung, dass nur österreichische oder süddeutsche Numismatiker einen derartigen Diebstahl organisieren konnten.

Im Jahr 1996 erhielt die Amerikanische Numismatische Gesellschaft (ANS) in New York eine Schenkung von Chester L. Krause, dem Herausgeber des weltweit verwendeten “Standard-katalogs der Weltmünzen”:

 

Chester L. Krause, Bild: Amerikanische Numismatische Gesellschaft ANS

Chester L. Krause (Bild:ANS)

Herr Krause übergab der ANS nachfolgende 94 Salzburger Münzen, die er selbst aus dem US Münzhandel für einen  hohen Kaufpreis erworben hatte, mit dem Hinweis “diese Münzen stammen angeblich aus einem österreichischen Museum und sollten zurückgegeben werden”. Die ANS bemühte sich vorbildlich um die Provenienzerforschung und publizierte die Geschichte in ihrem (gedruckten) Jahresbericht 1996. Durch unglückliche Zufälle geriet dieser jedoch in den Folgejahren in Vergessenheit.

Vor wenigen Jahren stieß ich im Rahmen meiner weltweiten Internetrecherchen zur Salzburger Numismatik auf den ANS Beitrag von 1996 und erkannte die Chance, dass das Museum einen Teil der 1946 verlorenen Münzen zurückerhält. Nach Gesprächen mit den Kollegen der “Salzburger Numismatischen Gesellschaft” (SNG) sandte ich meinen Sohn, der gerade einen Studienpraktikumsaufenthalt in New York hatte, zu Frau Dr. Wartenberg, der Geschäftsführerin der ANS, um in Erfahrung zu bringen, ob das (mittlerweile 18 Jahre alte) Angebot der möglichen Rückgabe der Münzen noch aufrecht sei. Frau Dr. Wartenberg bestätigte die Rückgabebereitschaft, wenn genügend Beweise für die Eigentümerschaft des Salzburg Museums an den 94 Münzen vorgelegt werden könnten.

Weitere Diskussionen innerhalb der SNG führten dann zu Rechtsanwalt Dr. Peter Lechenauer, der in seiner Funktion als Mitglied der SNG und  Anwalt des Salzburg Museums im Mai 2016 Museumsdirektor Dr. Martin Hochleitner über den Sachverhalt informierte.

 Nun lag der Ball beim Kustos für Münzen, Medaillen und Geldwertzeichen, Christoph Mayrhofer. Dieser konnte in akribischer Archivforschung etwa ein Drittel der 94 Münzen zweifelsfrei der Museumssammlung zuordnen. Eine großartige Leistung, wenn man bedenkt, dass sehr vieles aus dem alten Museumsarchiv bei der Zerstörung durch amerikanisches Bombardement 1945 verloren ging!

 

Inventarnummer von 1884 Bild: Christoph Mayrhofer, Salzburg Museum

Den Nachweisschlüssel bildeten unter anderem die Tinteninventarnummern auf einigen mittelalterlichen Pfennigen (siehe Abbildung aus dem Vortrag von Kustos Mayrhofer). Im 19. Jahrhundert war es in allen Museen der Welt üblich, die Inventarnummer mit Tinte direkt auf das Objekt zu schreiben - eine Vorgangsweise, die heute unvorstellbar ist! Diese Nummern konnte Kustos Mayrhofer mit alten Inventaren in Verbindung bringen - und somit den Grundstein für die Rückgabe der Münzen legen.

 

Vertragsunterzeichnung ANS New York (Bild:Österrreichisches Generalkonsulat New York) Vertragsunterzeichnung ANS New York (Bild:Österrreichisches Generalkonsulat New York)

Vertragsunterzeichnung (Bilder:Österreichisches Generalkonsulat New York)

 Diese vorgelegten Unterlagen wurden von Frau Dr. Wartenberg und dem ANS Vorstand als ausreichend anerkannt. Im Mai 2017 unterzeichneten Frau Dr. Wartenberg, ANS Vorsitzender Kenneth L. Edlow und Dr. Hochleitner den von RA Dr. Lechenauer vorbereiteten Vertrag über die kostenlose Rückführung der Münzen im New Yorker Büro der ANS.

 Die ANS sprach in ihren ersten Berichten zur Vertragsunterzeichnung von der REPATRIATION der Salzburger Münzen - ein schönes Wort, das im Gegensatz zu Restitution nicht mit Schuld und Sühne belastet ist, sondern in seiner lateinischen Bedeutung sinngemäß aussagt:

DIE (VERLORENEN) KINDER KEHREN ZUM VATER ZURÜCK 

- dafür größten Dank an die Amerikanische Numismatische Gesellschaft und Chester L. Krause !

 

EINIGE BESONDERE STÜCKE DER SAMMLUNG:

Goldgulden des Erzbischofs Pilgrim, um 1365

Die bedeutendste Münze des Bestandes ist der Goldgulden des Erzbischofes Pilgrim von Puchheim. Er wurde um 1365 geprägt und ist die erste Goldmünze der Salzburger Münzgeschichte.

Denar des Erzbischofs Konrad, um 1125

 

Salzburg Museum - Jahresbericht 1861

Der erste um 1125-1130 geprägte Friesacher Denar Erzbischof Konrads 1. (1106-1147). Möglicherweise thematisiert die Ansicht des Domes den Stadtbrand und die Zerstörung desselben im Jahr 1127. Von dieser höchstseltenen Münze existieren heute keine 10 Stück weltweit, daher erscheint es wahrscheinlich, dass dieses Stück ident mit dem bereits im Museumsbericht 1861 aufgelisteten Konrad-Denar ist.

Pfennig des Erzbischofs Pilgrim, um 1365

Noch seltener als der Goldgulden Pilgrims ist der Wappenpfennig mit dem Kopf des Erzbischofes. Wie der Goldgulden um 1365 geprägt, handelt es sich bei DIESEM Stück um den ersten bekannten Pfennig dieses Typs, der 1877 in Ober-Plöttbach bei Zwettl in Niederösterreich gefunden wurde und dann ins Salzburg Museum kam.  Auch von dieser Münze sind weltweit weniger als 10 Stücke bekannt.

Pfennig des Erzbischofs Rudolph, um 1286

Der Pfennig Rudolfs von Hoheneck zeigt die erste Darstellung des Salzburger Landeswappens. Die Umschrift MONETA SALZB EPI . “Geld des Erzbischofs von Salzburg” bezieht sich auf den 1286 geschlossenen Vertrag mit Kärnten und Tirol über die Ausprägung von Pfennigen und deren Silbergehalt. (Auf der Rückseite findet sich eine der alten Inventarnummern)

Wappenpfennig mit feinem Perlkreis

Dieser sehr seltene Wappenpfennigtyp des 15. Jahrhunderts wurde 1996 im SNG Sonderband “1000 Jahre Salzburger Münzrecht” von Christoph Mayrhofer und Günther Rohrer erstmals abgebildet.

Dukat 1517 Leonhard von Keutschach

Leonhard von Keutschach, Dukat 1517

Doppeldukat 1549, Ernst von Bayern

Herzog Ernst von Bayern, Doppeldukat 1549

 

Alle Münzen finden Sie hier im PDF Katalog, erstellt von der Amerikanischen Numismatischen Gesellschaft:

 ANS Katalog der repatriierten Salzburger Münzen

 

Alle Münzabbildungen: American Numismatic Society, ANS

 

Ein Bericht der Münzhandlung Peter Macho, Salzburg. Wir stehen für alle Fragen zur (Salzburger) Numismatik jederzeit zur Verfügung!

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Aus dem Nachlass Arnold Luschin`s von Ebengreuth:

Juni 17th, 2017 by Peter Macho

 Aus einer Salzburger Nebenlinie der Erben Prof. Arnold Luschin von Ebengreuth erhielt ich ein kleines Konvolut Schriften und Fotos aus dem Besitz des ersten Grundlagenforschers zum Salzburgisch/Friesacher Münzwesen. Einige Bilder könnten unpubliziert sein, daher sollen sie hier veröffentlicht werden.

Zum Andenken an einen grossen Historiker und Numismatiker:

Arnold Luschin mit Gattin Berta Macowitz, Graz nach 1870

Arnold Luschin mit Gattin Berta Macowitz (Macovica; 1846-1905). Hochzeit 31.8.1870, Foto nach 1870. Datenquelle: http://www.kunsthisterik.net/wp-content/uploads/2015/01/Vzporedni-svetovi-listanje.pdf

 

Arnold Luschin, München (ca.1870-1880 ??)

Arnold Luschin, München (1870-1880 ?)

 Haus am Rosenberg   Haus am Rosenberg, Künstlerpostkarte

Luschins Haus am Rosenberg in Graz; um 1910 / 1920

Familie Luschin

Familie Luschin, ca 1920-1932

Todesanzeige 1932

Todesanzeige Graz 1932

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F. Nauhauser: Neues zu einem alten Mozart Porträt

Juni 14th, 2017 by Peter Macho

Bei den Recherchen zur Chronologie und Porträtikonographie der ältesten Mozartmedaillen faszinierte mich ein Porträt von Wolfgang Amadeus, aus dem Besitz des schwedischen Diplomaten Fredrik Samuel Silverstolpe, der das Kunstwerk von Mozarts Frau Constanze Mozart erhalten hatte und später der Universitätsbibliothek Uppsala schenkte.

MOZART, © Uppsala University Library, alvin-record:94727

© Uppsala University Library, alvin-record:94727
http://www.alvin-portal.org/alvin/imageViewer.jsf?dsId=ATTACHMENT-0001&pid=alvin-record%3A94727&dswid=1511

Unter dem Porträt befindet sich folgende Anmerkung in Schwedisch:  Read the rest of this entry »

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Unedierte 5 Dukatenmedaille “Springendes Pferd” von Gennaro bei Rauch in Wien:

Mai 28th, 2017 by Peter Macho

Franz Anton Harrach:Fünf Dukatenmedaille 1721, Bild: Auktionshaus Rauch, Wien

Am 22. Juni versteigert Rauch in Wien eine besondere Salzburger Rarität:

Die 5 Dukatenmedaille 1721 von Gennaro war bisher nur in Silber bekannt, ein Silberabschlag liegt im Münzkabinett des KHM in Wien.

Das Motiv mit dem springenden Pferd, das von Gott gezügelt wird wurde erstmals 1709 zum Regierungsantritt Franz Anton Harrachs vom Stempelschneider Phillip Heinrich Miller kreiert. Miller schnitt weitere Stempel dieser Medaille 1711, 1718 und einen Stempel ohne Jahreszahl.

Der 1721 von Gennaro geschnittene Stempel ist der letzte dieser Serie.

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The Salzburg Coin Collection at the British Museum

Mai 11th, 2017 by Peter Macho

BM London

 On May 5th 2017, the Salzburg Numismatic Society visited the coin department of the British Museum in London. Crowning a long period of preparations, the eight members of the SNS were able to examine and hold in hands not only the roughly 450 Salzburg coins in the Museum’s possession, but also many of the most eminent Greek coins known to numismatics.

This trip was enabled by the kind intercession of Stephen, an influential British collector.

In his two-volume work “Die Münzen und Medaillen des Erzstifts Salzburg“, published in Munich in 1928 and 1931, Karl Roll lists about 90 gold and silver coins in possession of the BM. Among these coins, he lists one Rübentaler from 1504, of which no more than 12 exist worldwide.  

To state it right away: We were able to find all of Roll´s listed coins except for the Rübentaler. It appears likely that it went missing during the German bombardment in May 1941, which resulted in the coin department burning down. During the war, many eminent objects were transported into safety, and the Rübentaler counted among the rarest and most expensive coins even then.

Notwithstanding this notable absence, the British Museum´s Salzburg collection remains impressive.

Among the medieval coins are two Laufener broad pennies (CNA A32) with rests of letters.

The ducats and double ducats are almost all in excellent condition, the pieces from the 18th century mostly

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Die Salzburg Sammlung des Britischen Museum in London:

Mai 11th, 2017 by Peter Macho

BM London

Am 5. Mai 2017 besuchte die Salzburger Numismatische Gesellschaft das Münzkabinett im Britischen Museum in London. Nach langen Vorbereitungen konnten sieben Mitglieder der SNG nicht nur die ca. 450 Salzburger Münzen des Kabinetts, sondern auch die bedeutendsten griechischen Münzen der Münzgeschichte aus den Tresoren des BM besichtigen und in Händen halten.

Den Zugang zu diesen Raritäten verdanken wir Stephen, einem uns bekannten Londoner Sammler mit besten Kontakten ins BM.

Karl Roll verzeichnet in seinem 1928 und 1931 in München erschienenen zweibändigen Werk „Die Münzen und Medaillen des Erzstifts Salzburg“ ca. 90 Salzburger Gold- und Silbermünzen mit dem Standort BM. Unter diesen Münzen ist eines der ca. 12 weltweit existierenden Stücke des Rübentalers von 1504 aufgelistet.

Gleich vorweg: Im Bestand des Museums fanden sich alle bei Roll aufgelisteten Münzen bis auf den Rübentaler. Es erscheint wahrscheinlich, dass der Rübentaler bei oder nach der Bombardierung und dem Brand des Münzkabinetts im Mai 1941 in Verlust geriet. Während des Krieges wurden viele bedeutende Objekte ausgelagert und der Rübentaler zählte damals zu den gesuchtesten und teuersten Münzen der Welt.

Trotz dieses Verlustes ist die Salzburg Sammlung durchaus beachtlich:

Im Mittelalter finden sich zwei Laufener Dünnpfennige (CNA A32) mit mehreren ausgeprägten Buchstaben der Trugschrift.

Die in der Neuzeit vorhandenen Dukaten und Doppeldukaten sind meist in bester Erhaltung, die Stücke aus dem 18. Jahrhundert sind durchwegs prägefrisch. Insgesamt ist ein Großteil der Münzen in vorzüglicher oder besserer Erhaltung.

An Mehrfachdukaten beinhaltet die Sammlung:

 

BM London: Matheus Lang von Wellenburg, 4 Dukatenklippe 1522

 British Museum, object number 1851,0510.3, Lizenz:http://creativecommons.org/licences/by-nc-sa/4.0/

4 Dukatenklippe 1522, 13,94 Gr.,

Eine grössere Serie Doppeldukaten des Johann Jakob Kuen Belasi

Doppeldukatenklippe des Wolf Dietrich mit den 2 Stiftsheiligen, BR.1581

6 Dukaten 1593 vom Turmtalerstempel, 20,95 Gr.,

4 Dukat 1655 Salvatorstatue, BR.2957

5 Dukat 1668, 17,33 Gr., BR. 3168

8 Dukat 1668, 27,8 Gr., BR.3162

4 Dukat 1687

Doppeldukat 1688

12 Dukatenmedaille 1753, 41,77 Gr., BR.4148

Bei den Silbermünzen findet man die klassischen Raritäten Matheus Langs und Wolf Dietrich von Raitenaus, die schon im 19. Jahrhundert zu den gesuchtesten europäischen Münzen zählten:

Halbguldiner 1535 Kursmünze, 14,49 Gr., BR. 650

Halbguldiner 1539 AGNOSCE TE DILIGENTES, 13,30 Gr., BR. 654

Halbguldiner 1539 mit den 2 Heiligen 13,19 Gr., BR. 655

Doppelguldiner 1538 RADIANA, 52,62 Gr., BR. 563

2/3 Turmtaler 1594, 17,71 Gr., BR. 1536

Turmtaler 1594, 28,89 Gr., BR. 1544

Bei den Kleinmünzen stechen drei Pfennige von Guidobald Graf Thun (1660,1664 und 1665), alle in prägefrischer Qualität, ins Auge. Die Pfennige Guidobalds zählen zu den seltensten Salzburger Kleinmünzen.

Dieser kurze Überblick ist jedoch nicht das einzige Ergebnis der Reise, die SNG hat die Digitalisierung des kompletten Salzburg Bestandes gesponsert und in einigen Monaten werden alle Salzburger Münzen in der Datenbank des BM online zu sehen sein !

 

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Drei seltene Salzburger Medaillen aus der Biedermeierzeit:

April 20th, 2017 by Peter Macho

 

Firmmedaille 1819 St. Peter

Die erste Medaille ist ein handgraviertes Unikat: Firmmedaille des Abtes Albert 4. Nagnzaun von Stift St. Peter für Anton Mathias Eckschlager 1819. Abt Albert stand dem Kloster von 1818 bis 1857 vor.

Anton Eckschlager könnte der 1812 in Maxglan geborene spätere Vikar von Hochfilzen sein, der 1848 als Vikariats Provisor von Bergheim aufscheint, 1854 als Koadjutor in Hallein.

Das Laterankonzil von 1215 formulierte kein Recht, sondern die Verpflichtung zur jährlichen Beichte und Teilnahme an der Kommunion für jeden Gläubigen ab dem kanonischen Unterscheidungsalter (siebtes Lebensjahr).   (Quelle WIKIPEDIA)  Das Alter von 7 Jahren scheint mir daher für diese Zeit für die Firmung möglich; insbesonders unter Berücksichtigung der Zeitumstände (Hungersnot 1817/18 durch Ernteausfälle in ganz Europa und sicher vermehrt höhere Kindersterblichkeit).

Die zweite Medaille wurde ebenfalls am 1. Juni 1819 an einen Salzburger Firmling verschenkt. Beide Firmmedaillen sind entweder süddeutsche oder österreichische Erzeugnisse. Wie noch heute wurden derartige Medaillen von einheimischen Gold/ Silberschmieden vertrieben und graviert.

Firmmedaille verwendet in Salzburg 1819

 

Die dritte Medaille wurde zum 200 jähriges Domjubiläum 1828 geprägt: Diese (sehr seltene) Erinnerungsmedaille war bisher nur in Bronze bekannt und nicht in dieser schönen altvergoldeten Ausführung.

Medaille auf das Domweihjubiläum 1828, Bronze alt vergoldet

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Dir. Josef Leopolder, Gründungspräsident der SNG verstorben

April 18th, 2017 by Peter Macho

Lanz 127, Slg. Leopolder   Josef Leopolder (mit Gustl Esthofer)

Am 16. April 2017 ist Dir. Josef Leopolder, Gründungspräsident der Salzburger Numismatischen Gesellschaft verstorben. Möge er seine numismatischen Diskussionen (hier mit seinem ältesten Münzfreund Gustl Esthofer, der ihm vor Jahren vorausgegangen ist) in den Wolken fortsetzen können !

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